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Zwischen Wirklichkeit und Bild

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Deutschland in Japan 2005/2006“ ist die Pinakothek der Moderne zu Gast in Japan. Die Ausstellung Zwischen Wirklichkeit und Bild umfasst 50 Werke, insgesamt über 200 Fotografien, darunter vielteilige Installationen und eine Filmprojektion. Sie wurde aus den Sammlungen der Pinakothek der Moderne, unterstützt durch private Leihgaben, zusammengestellt.

Seit den frühen 90er Jahren steht die deutsche Fotografie im Mittelpunkt der internationalen Gegenwartskunst. Die für Japan konzipierte Ausstellung gibt mit Arbeiten von Bernd und Hilla Becher, Andreas Gursky, Michael Schmidt, Thomas Demand und Wolfgang Tillmans einen vielschichtigen Überblick über die stilbildenden Tendenzen innerhalb der deutschen Fotokunst. Zugleich stellt sie erstmals in Japan fünf junge, am Beginn ihrer künstlerischen Karriere stehende Fotografen vor.



Bernd und Hilla Becher entwickelten seit den späten 50er Jahren die dokumentarische Fotografie als eigene Kunstform. In präzisen, sachlichen Bildern dokumentieren sie anonyme industrielle Zweckbauten, die sie in Einzelbildern oder als Tableau präsentieren und als Typologien einem vergleichenden Sehen zugänglich machen. Obwohl ihr dokumentarischer Stil in der fotohistorischen Tradition verwurzelt ist, vermochte sich dieser erst durch die Anerkennung der Bechers im Kontext minimalistischer und konzeptueller Kunst als künstlerische Ausdrucksform durchzusetzen.

Andreas Gursky, der wohl bekannteste Becher-Schüler, entwickelt in seinen monumentalen Werken komplexe Panoramen der heutigen conditio humana. Alltagsmotive, urbane Ansichten, die Waren- und Konsumwelt wie Konzerte oder Sportveranstaltungen sind Ausgangspunkt seiner bis ins Detail sorgfältig konzipierten Fotografien, in denen er aus realistischen Fakten und eigenen Bildvorstellungen seine Visionen von Wirklichkeit generiert.

Der Berliner Künstler Michael Schmidt ist wie die Bechers einem die Wirklichkeit  beschreibenden Ansatz verpflichtet, den er aber nicht objektivierend gebraucht, sondern in eine radikal subjektive, verstörende  Bildsprache übersetzt. Schmidt´s  Arbeiten, die zu Serien, Tableaus und Installationen zusammengestellt sind, kreisen um die deutsche Geschichte und Befindlichkeit im Fokus seiner Heimatstadt Berlin.

Der Bilderkosmos des in England lebenden, deutschen Künstler Wolfgang Tillmans liest sich wie ein visuelles Tagebuch der um 1970 geborenen Generation. Tillmans löst sich vom Einzelbild und schafft aus einer Vielzahl von Schnappschuss ähnlichen Aufnahmen raumgreifende Installationen. Dabei verweigert er jede visuelle Hierarchisierung zwischen scheinbar beiläufigen und bedeutungsgeladenen Motiven.

Thomas Demand fotografiert menschleere Innenräume. Es sind von ihm gefertigte Modelle aus Pappe und Papier, die er nach gefundenen Fotografien rekonstruiert und im Maßstab von 1:1 reproduziert. Sein Ausgangsmaterial entstammt einem riesigen kollektiven Bildarchiv. Dem ursprünglichen Kontext enthoben, in der Rekonstruktion verfremdet und im Abzug monumentalisiert, verunsichern seine Werke stetig  Wahrnehmung und Gedächtnis des Betrachters.

Während sich in den 90er Jahren die Fotografie als künstlerische Ausdrucksform endgültig durchsetzte, hat zugleich das fotografische Medium durch die Digitalisierung und die Möglichkeit der nachträglichen Bildbearbeitung am Computer die größte Veränderung seit seiner Erfindung erfahren. Die Unterscheidung zwischen unverfälschtem Dokument, Manipulation und Inszenierung scheint nicht mehr möglich zu sein. Vielleicht ist sie in einer Zeit, die mehr dem Bild denn der Wirklichkeit vertraut, sogar obsolet geworden? In den Arbeiten jüngerer Künstler zeigt sich, dass die Digitalisierung nicht nur die Fotografie selbst revolutioniert hat, sondern auch die Art und Weise, wie wir nun auf die Wirklichkeit reagieren. Neuere Positionen werden mit Arbeiten von Ricarda Roggan, Heidi Specker, Hans-Christian Schink, Loretta Lux  und Beate Gütschow vorgestellt.

Kuratoren: Dr. Inka Graeve Ingelmann, Pinakothek der Moderne, München, in Kooperation mit Rei Masuda, Nationalmuseum für Moderne Kunst, Tokyo, und Koichi Nakata, Marugame Genichiro-Inokuma Museum of Centemporary Art.

Begleitend erscheint ein zweisprachiger Katalog in englisch-japanisch, Published by: The Yomiuri Shimbun 2005.

Eine Ausstellung im Rahmen von „Deutschland in Japan 2005/2006“, initiiert und ermöglicht vom Goethe-Institut im Auftrag des Auswärtigen Amtes.

Ausstellungsdaten:

Nationalmuseum für Moderne Kunst, Tokyo, 25.10.-18.12.05

Nationalmuseum für Moderne Kunst, Kyoto, 06.01.-12.02.06

Marugame Genichiro-Inokuma Museum of Contemporary Art, 12.03.-07.05.06

Pinakothek der Moderne
Barer Str. 29
80799 München

Telefon: + 49 89 23805-253


   
 

 
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