Hessen ist ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Die Landeshauptstadt ist Wiesbaden.
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Geografie Gelegen in der Mitte Deutschlands,
grenzt Hessen an die Länder Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen,
Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die größten
hessischen Städte sind (geordnet nach Einwohnerzahl) Frankfurt am Main,
Wiesbaden, Kassel, Darmstadt, Offenbach am Main, Hanau, Marburg an der
Lahn, Gießen, Fulda, Rüsselsheim, Wetzlar und Bad Homburg vor der Höhe.
Die Landschaft Hessens besteht aus Mittelgebirgen (Taunus, Westerwald,
Rhön, Odenwald, Spessart, Knüllgebirge, Vogelsberg), die von den Tälern
der Flüsse Rhein (bildet die Grenze zu Rheinland-Pfalz), Main, Neckar,
Lahn, Eder und Fulda durchzogen werden. Die größten Ebenen sind das
Rhein-Main-Gebiet, die Oberrheinische Tiefebene und die Wetterau. Nach
Norden schließen sich die Hessischen Beckenlandschaften an (Amöneburger
Becken, Fritzlar/Waberner Becken und Kasseler Becken).
Der größte Teil der hessischen Bevölkerung lebt im südlichen
Landesteil entlang der Gebiete um die Flüsse Rhein und Main (siehe auch
Rhein-Main-Gebiet).
Wirtschaft Das Rhein-Main-Gebiet in Südhessen
besitzt nach dem Ruhrgebiet die größte Industriedichte in Deutschland.
Hier sind chemisch-pharmazeutische Industrie, Maschinen- und
Fahrzeugbau und, vor allem in Frankfurt am Main,
Dienstleistungsunternehmen ansässig. Offenbach ist bekannt für seine
Lederindustrie, Hanau als Standort der Materialforschung und
-verarbeitung, Rüsselsheim als Standort der Automobilindustrie.
Etwa 1/3 der hessischen Fläche wird landwirtschaftlich genutzt.
Ende Januar 2005 zählte Hessen 278.508 Erwerbslose, somit beträgt
die Arbeitslosenquote 9,3 % (8,4 % im Vorjahrsmonat). Mit 7,2 % hat der
Arbeitsamtbezirk Frankfurt die niedrigste Quote, während der
Arbeitsamtbezirk Kassel mit 13,3 % die höchste Quote landesweit
aufweist.
Geschichte Antike Der Name Hessen geht
auf die Bevölkerung im historischen Kernraum im Bereich der Flüsse
Fulda und Eder (Niederhessen bzw. Nordhessen) zurück, und bezeichnet
die hier ansässigen Nachkommen der germanischen Chatten. Die Chatti
(lat., sprich [xatən] mit ch wie in ach) sind die Stammväter der
Hessen, ihr Versammlungsort war das Thingfeld zwischen Fritzlar und
Gudensberg, südlich von Kassel. Chatten (Chatti--> Hatti--> Hassi
(um 700)--> Hessi (738)--> Hessen) und Friesen sind die einzigen
germanischen Stämme, die sowohl ihren Namen als auch ihr
Siedlungsgebiet bis in die Gegenwart erhalten haben. In Teilen des
späteren Hessens siedelten ursprünglich Kelten. Um die Zeitenwende
zogen viele Kelten fort und die zurückgebliebenen Kelten vermischten
sich mit den zuziehenden Germanen. Bis zum Ende des 1. Jahrhunderts
wurde das spätere Südhessen dann römisch, während der Norden (Nieder-
und Oberhessen) im Einflussbereich der Chatten verblieb. Durch das
spätere Hessen verlief der Obergermanische Limes, von dem vor allem im
Taunus noch zahlreiche Reste zu sehen sind (Saalburg).
Mittelalter Im 6. Jahrhundert geriet Hessen
unter fränkischen Einfluss. Bonifatius, der "Apostel der Deutschen",
missionierte dort und in Thüringen etwa ab 720 und gründete 744 das
Kloster Fulda. Um 725 wird seine Geismartat an der Donareiche
überliefert. Seit dem 8. Jahrhundert entwickelte sich im späteren
südöstlichen Landesteil die Via Regia, die das fränkische
Stammesherzogtum um Mainz mit der Königspfalz Frankfurt, der Abtei
Fulda sowie dem Handels- und Missionsstützpunkt Erfurt verband.
Durch Erbschaft und Heirat fielen die hessischen Grafschaften im
Fulda-Eder-Raum von 1122-1247 unter die Herrschaft der Ludowinger, die
ab 1130 auch Landgrafen von Thüringen waren. Nach dem Aussterben der
Ludowinger erstritt im hessisch-thüringischen Erbfolgekrieg (1247-1264)
die Landgrafentochter Sophie, verheiratete Herzogin von Brabant, für
ihren Sohn Heinrich I. von Hessen, auch Heinrich das Kind genannt,
wieder die Unabhängigkeit Hessens vom thüringischen Erbe der
Ludowinger, welches an die sächsischen Wettiner fiel.
1292 wird die neue Landgrafschaft Hessen, Hauptstadt Kassel, vom Kaiser als Reichsfürstentum bestätigt.
Renaissance Philipp der Großmütige machte Hessen
in der Reformationszeit zu einer die deutsche Geschichte wesentlich
beeinflussende Macht. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Territorium Hessen
bereits durch Erbschaft, vor allem der Grafschaft Katzenelnbogen,
nennenswerte Erweiterungen im Rhein-Main-Raum erfahren.
Nach dem Tod von Philipp I., dem Großmütigen wurde Hessen 1567 nach
altertümlichen Erbregeln im so genannten Vierbrüdervergleich in vier
Staaten geteilt: Wilhelm IV. erhielt mit Hessen-Kassel die Hälfte des
Landes, Ludwig IV. erhielt Hessen-Marburg, Philipp II. Hessen-Rheinfels
und Georg I. Hessen-Darmstadt. Hessen-Rheinfels ging 1583 im Erbgang in
den Besitz von Hessen-Darmstadt über, Hessen-Marburg fiel 1604 auf
gleichem Wege an Hessen-Kassel zurück. 1622 spaltete sich die
Landgrafschaft Hessen-Homburg von Hessen-Darmstadt ab.
19. Jahrhundert 1803 erfuhr die
Landgrafschaft Hessen-Kassel durch den Reichsdeputationshauptschluss
die Aufwertung zum Kurfürstentum Hessen (Kurhessen), Kassel war
weiterhin Residenz- und Hauptstadt. 1816 geht das vormalige Fürstbistum
Fulda als Großherzogtum Fulda in den kurhessischen Staat ein. Die
Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde 1806 zum Großherzogtum Hessen
erhoben.
Im Deutsch-Österreichischen Krieg von 1866 stand der hessische
Kurfürst auf der Seite von Österreich. Nach dem Sieg Preußens wurde der
Kurfürst verbannt und Preußen verleibte sich das Kurfürstentum ein.
1868 entstand aus dem besetzten Kurfürstentum Hessen, der
Landgrafschaft Hessen-Homburg, dem Herzogtum Nassau und der Freien
Stadt Frankfurt am Main die preußische Provinz Hessen-Nassau.
20. Jahrhundert Auch in der Weimarer Republik
existierten weiterhin Hessen-Nassau als preußische Provinz und
Hessen(-Darmstadt) als Volksstaat Hessen. 1929 wurden der Freistaat
Waldeck und 1932 der Kreis Wetzlar aus der Rheinprovinz in die Provinz
Hessen-Nassau eingegliedert. 1944 wurde die Provinz Hessen-Nassau in
Anlehnung an die Reichsverteidigungsbezirke in die Provinzen Kurhessen
und Nassau aufgeteilt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Land Hessen auf dem Gebiet der
amerikanischen Besatzungszone hergestellt. Die amerikanische
Militärregierung vereinigte am 19. September 1945 durch die
Proklamation Nr. 2 - zunächst unter dem Namen Großhessen - die
ehemaligen preußischen Provinzen Kurhessen und Nassau (mit Ausnahme der
Kreise St. Goarshausen, Unterlahn, Ober- und Unterwesterwald, die zur
französischen Besatzungszone gehörten) und den Volksstaat Hessen
(Hessen-Starkenburg, Oberhessen, Rheinhessen), mit Ausnahme der
ebenfalls französisch besetzten Gebiete westlich des Rheins, die
Rheinland-Pfalz zugeschlagen wurden.
Die Hessische Verfassung wurde von der Verfassungsberatenden
Landesversammlung in Wiesbaden am 29. Oktober 1946 beschlossen, trat am
1. Dezember 1946 durch Volksabstimmung in Kraft und war damit die erste
Nachkriegsverfassung Deutschlands. Hauptstadt ist die vormalige
nassauische Residenz Wiesbaden. Das Land Hessen galt lange Jahre als
besonders fortschrittlich und wegweisend ("Hessen vorn").
Dialekt Das Hessische (das heißt die nördlichen
Dialekte des Rheinfränkischen) gehört zu der mitteldeutschen
Dialektgruppe. Diese wird nördlich der Linie Wiesbaden-Aschaffenburg
gesprochen und reicht bis einschließlich Siegen und Kassel im Norden.
Südlich davon werden die südlichen Dialekte des Rheinfränkischen
(Rheinfränkisch i.e.S.) gesprochen. In den Ballungsgebieten allerdings
sind Dialekte sehr selten zu hören, es herrscht das Hochdeutsche vor.
Das in Rundfunk und Fernsehen häufiger gebrauchte und irreführend als
Hessisch bezeichnete Rhein-Main-Deutsch unterscheidet sich
grundsätzlich von den Dialekten des historischen hessischen
Kernbereiches, wie sie heute zum Teil noch in Nieder-, Ober- oder
Osthessen vorkommen. Auch der südhessische Dialekt weist deutlich
Unterschiede von der in Radio- und Fernsehen propagierten Mundart auf
und wird wie alle hessischen Dialekte heute stark bedrängt. |